Do
29
Sep
2011
Leist: „ArbeitnehmerInnen brauchen satte Lohnerhöhungen“
ÖGB-Regionalvorsitzender Willi Lackner und der gf. ÖGB-Landesvorsitzender Otto Leist
Der ÖGB fordert beim Kollektivvertragsverhandlungsmarathon im Herbst deutliche Lohnerhöhungen. Angefangen bei den 165.000 Beschäftigten in der Metallindustrie und im Bergbau bis zu den Handelskollektivvertragsverhandlungen sind Lohnerhöhungen deutlich über der Inflation gefordert. „Menschen brauchen Geld zum Leben, besonders jene aus Lienz, die unter dem siebtschlechtesten Einkommen aller 99 österreichischen Bezirke leiden. Gepaart mit den hohen Lebenserhaltungskosten ein immer größeres Problem“, zeigt der gf. Tiroler ÖGB Vorsitzende, Otto Leist, anlässlich seines Osttirolbesuches auf.
Auftakt zur Herbstlohnrunde bereits erfolgt
Mit der Übergabe des Forderungsprogramms haben am 22. September die Kollektivvertragsverhandlungen für Beschäftigte in der Metallindustrie und im Bergbau begonnen. Die verhandelnden
Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp aber auch Otto Leist fordern eine deutliche Lohnerhöhung über der Inflation. Die hat im Schnitt der vergangenen zwölf Monate 2,7 Prozent betragen. "Die
Unternehmen haben außerordentlich gut verdient. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Der Metallindustrie in Österreich geht es sehr, sehr gut. Jetzt sind die Beschäftigten mit kräftigen
Erhöhungen am Zug", sagt Leist. Weiter verhandelt wird am 4., 12. und 20. Oktober.
Lienz ist einkommenstechnisches Schlusslicht bei Tiroler Männern, Vorletzter bei den Frauen
Laut WISO-Bericht liegt das Einkommen der OsttirolerInnen im bundesweiten Bezirksvergleich an der siebtschlechtesten Stelle, bei den Frauen gar an viertschlechtester Stelle. Während Tiroler
Frauen im Schnitt für eine ganzjährige Vollzeitbeschäftigung 30.110 Euro Brutto verdienen, müssen sich Osttirolerinnen mit 27.282 Euro begnügen. Noch schlimmer fällt der Unterschied bei den
männlichen Arbeitnehmern aus. Hier liegt das Tiroler Durchschnittseinkommen bei 41.342 Euro und jenes der Osttiroler bei 37.400. Lienz ist damit einkommenstechnisches Schlusslicht in Tirol. „Es
besteht dringender Handlungsbedarf seitens der Politik und der Wirtschaftstreibenden. Jetzt ist es an der Zeit Firmen anzusiedeln, die uns OsttirolerInnen gut bezahlte Einkommen garantieren. Das
Aktuelle Vorgehen führt dazu, dass gut qualifizierte Arbeitskräfte den Standort Lienz verlassen, weil es schlichtweg keine geeigneten Jobs gibt“, kritisiert Osttirols ÖGB-Vorsitzender Willi
Lackner. Für den Osttiroler Arbeitsmarkt, der unter der höchsten Tiroler Arbeitslosenrate zu schnaufen hat (5,8 Prozent oder 1.171 Arbeitslose/Stand August 2011), wünscht sich Lackner künftig
mehr Jobs abseits des Tourismus und des Handels: „Nur so können wir der einkommenstechnischen Abwärtsspirale entgegenwirken.“
Leist: „Mit unfairer Steuerpolitik gehört aufgeräumt“
Leist und der ÖGB wird auch weiterhin Druck machen, dass endlich Gerechtigkeit im Steuersystem einzieht: „Wir brauchen rasch Umschichtungen, denn die ArbeitnehmerInnen und KonsumentInnen tragen
den grLeist und der ÖGB wird auch weiterhin Druck machen, dass endlich Gerechtigkeit im Steuersystem einzieht: „Wir brauchen rasch Umschichtungen, denn die ArbeitnehmerInnen und KonsumentInnen
tragen den größten Teil der Steuerlast, die großen Vermögen leisten einen viel zu niedrigen Beitrag.“ Die Ungleichgewichte im Steuersystem sind aus Sicht des ÖGB unerträglich. Aus
Vermögenssteuern holt sich der Staat gerade einmal 1,4 Prozent seiner Steuereinnahmen, aber von den ArbeitnehmerInnen und KonsumentInnen gut zwei Drittel, das ist eine extreme Schieflage.
OECD kritisiert geringe Vermögenssteuern
Auch die OECD sagte kürzlich bei ihrem Länderbericht über Österreich, die Steuern auf Arbeit sind hierzulande sehr hoch, während die Steuern auf Vermögen deutlich unter dem Durchschnitt der
OECD-Länder liegen. Würde man in Österreich die Einnahmen aus Vermögenssteuern auf die Höhe des EU-Durchschnitts von 5,4 Prozent anheben, kämen vier Milliarden Euro ins Budget. Der ÖGB will daher
Umschichtung im Steuersystem – und nicht, wie behauptet wird, eine weitere Anhebung der Steuerquote insgesamt. Die Einkommen der ArbeitnehmerInnen müssen entlastet werden, die hohen Vermögen
müssen weit größere Beiträge zur Finanzierung des Staatshaushaltes leisten.
Mehr Netto im Börsel
Ein weiterer Grund für einen Systemwechsel im Steuersystem ist, dass vom Brutto immer weniger Netto bleibt. Für die Entwicklung der Bruttoeinkommen ist die Lohnpolitik der Gewerkschaften
verantwortlich, sie hat selbst im härtesten Krisenjahr in allen Branchen Zuwächse gebracht. Wie viel dann Netto übrig bleibt, hängt vom Steuersystem ab. Von den Lohnverhandlungen bleibt viel zu
wenig übrig, das ist ungerecht, das muss sich ändern. Den ArbeitnehmerInnen muss endlich mehr Netto vom Brutto im Börsel bleiben.


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