Do

28

Jul

2011

Tiroler Gewerkschaftsjugend fordert Umbenennung aller NS-nahen Namensbezeichnungen

Die Jugend des ÖGB Tirol fordert die Umbenennung diverser Organisations-, pädagogischen Einrichtung- und Straßennamen, die in Verbindung mit NS-Verbrechen stehen. Als Organ muss eine politisch unabhängige Kommission eingerichtet werden. „Es gibt noch viele Zeugnisse, die auf eine Partizipation im dunkelsten Zeitalter hinweisen, auch in Tirol. Als bedenkliches Beispiel dienen die neuen CDs und Konzertreihen des Institutes für Tiroler Musikforschung, die ausschließlich Werke, und die Benennung der Kramsacher Musikschule nach den Gaukapellmeister Tanzer. Nicht gerade ein pädagogisches Ausrufezeichen“; kritisiert der Jugendsekretär der GPA-djp, David Schumacher.

Österreichische und Tiroler NS-Gräueltaten wurden lange Zeiten verschwiegen. Doch auch in jüngster Vergangenheit kommen immer wieder „nicht aufgearbeitete Fälle“ ans Tageslicht. „Daher fordern wir von der Tiroler Gewerkschaftsjugend dringend eine politisch unabhängige Kommission, denen WissenschaftlerInnen und NGO’s angehören sollen“, erklärt Schumacher.

Kramsacher Musikschule nach Nazi-Verherrlicher benannt
Als Beispiel führt Schumacher die Landesmusikschule in Kramsach an, die nach dem Leiter der  SA-Gaumusikkapelle  Sepp Tanzer benannt ist. „Tanzer konnte sich nicht nur mit dem Nationalsozialismus identifizieren und hatte einige wichtige Musikpolitischen Positionen im Reichsgau Tirol-Vorarlberg inne, sondern bewunderte auch noch Gauleiter Franz Hofer, dem er einen eigenen Marsch widmete. Wir sehen alleine die Namensbenennung als pädagogisch kontraproduktiv. Wir dürfen ganz einfach Kindern nicht vermitteln, dass Menschen die NS-Verbrechen duldeten und die Musik in den Dienst einer diskriminierenden, rassistischen und totalitären Politik stellen, noch Ehre erteilt wird“, zeigt Schumacher abschließend auf.

Neue Musik-CDs  des „Instituts für Tiroler Musikforschung“
Als Fauxpas für die Tiroler Gewerkschaftsjugend gelten auch die neuen CDs des „Institutes für Tiroler Musikforschung“, die Musik von Komponisten der "Arbeitsgemeinschaft Tiroler Komponisten" beinhaltet. Diese Arbeitgemeinschaft bezeichnete sich laut Protokoll vom 13.3.1937 als "Zweckbündnis zur Bekämpfung des Semitismus". Werke zur Förderung durch deren Stiftung durften nur von "arischen Geburtstirolern" eingereicht werden. Darüber hinaus wurden im Namen dieser „Arbeitsgemeinschaft“ Pamphlets gegen die Verjudung der RAVAG (Vorläufer des ORF) und der „christsozialen Partei“ verfasst. All dies wird  in den Booklets und den Beschreibungen zu den Konzerten nicht nur verschwiegen sondern diese Komponisten werden als „geradlinig Menschen“ als „idealtypische Tiroler“ heroisiert. Wir verwehren uns dagegen, Menschen mit solchen Hintergründen eine Plattform zu bieten“, meint Schumacher abschließend.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

  • loading