Mi
27
Jul
2011
TirolerInnen mit niedrigerem Einkommen haben einen viermal schlechteren Gesundheitszustand
TirolerInnen mit niedrigem Einkommen weisen einen viermal schlechteren Gesundheitszustand auf, als jene mit hohem Einkommen. „Die krankheitsvermeidende und lebensverlängernde Wirkung von Reichtum ist empirisch klar nachgewiesen. Deshalb fordern wir einen sozialen Ausgleich, denn nur das ist die beste Medizin. Hier ist FAIR TEILEN angesagt, denn BesserverdienerInnen müssen weniger von ihrem Einkommen an die Krankenversicherung abliefern, weil alle Einkommen über 4.110 Euro im Monat nicht beitragspflichtig sind. Was man verdient, ohne zu arbeiten, zum Beispiel aus Aktiengewinnen, trägt überhaupt nichts zum Gesundheitssystem bei. Hier ist ein rasches Umdenken gefordert“ zeigt der gf. Tiroler ÖGB Vorsitzende auf.
Arme Kinder von heute sind die chronisch Kranken von morgen. Bei Neunjährigen aus armen Familien sind durchschnittlich fünf Zähne gefault. Je stärker die soziale Spaltung in einer Gesellschaft
wird, desto stärker kann man den sozialen Status einer Person am Zustand der Zähne ablesen. Menschen mit maximal Pflichtschulabschluss haben sechsmal so oft einen schlechten Gesundheitszustand
wie Menschen mit Matura und sind mehr als doppelt so oft chronisch krank. „Untersuchungen haben festgestellt, dass die wichtigsten Risikoverhaltensweisen wie Rauchen, Bewegungsmangel, Ernährung
weniger Krankheiten verursachen als benachteiligende Lebensumstände wie Armut. Schon jetzt ist arm oft gleichbedeutend mit krank“, erklärt Otto Leist.
In Österreich sorgt ein gut ausgebautes Sozialversicherungssystem dafür, dass es nicht so weit wie in anderen Ländern kommt, wo sich die Menschen selbst die Zähne ziehen. Für Umverteilung von
unten nach oben sorgen auch die Selbstbehalte, zum Beispiel Rezeptgebühren. „Der ÖGB wird Verschlechterungen wie neuen Selbstbehalten auf keinen Fall zustimmen, denn Gesundheit ist ein
Grundrecht, das für alle da sein muss. Selbstbehalte sind nicht nur sozial ungerecht, sondern führen auch dazu, dass Menschen mit niedrigen Einkommen den Arztbesuch so lang wie möglich
aufschieben. Manchmal so lang, bis es zu spät ist“, sagt der gf. Tiroler ÖGB Vorsitzende.
Mit folgenden Forderungen will der ÖGB Tirol die Verteilungsgerechtigkeit stärken:
- Krankenversicherung für alle
- Leistungen der Kassen ausweiten
- Keine neuen Selbstbehalte
- Beibehaltung der Pflichtversicherung
- Vorrang für Prävention und Gesundheitsförderung
- Gesündere Arbeitsplätze
- Berufskrankheiten anerkennen
- leicht zugängliches Beratungsangebot für gesundheitlich beeinträchtigte ArbeitnehmerInnen
- Sicherung der Altersteilzeit


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