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11

Mai

2011

Leseschwäche ist noch dramatischer als PISA Studie aufzeigt

Nairz: „Palfraders Ansatz geht in Richtung Etikettenschwindel“

Für den ÖGB Tirol geht der Ansatz von Bildungslandesrätin Palfrader zu wenig weit. „Sie will letztendlich aus einer Hauptschule eine Mittelschule machen und den Zweig der Allgemeinbildenden Höheren Schulen aufrechterhalten. Eine Bildungsreform muss letztendlich diskriminierungsfrei sein und in einer gemeinsamen Schule für 6- bis 14-Jährige münden. So wie es momentan dargestellt wird entpuppt sich ihr Ansatz als ein Etikettenschwindel“, erklärt Tirols ÖGB Bildungssekretär Norbert Nairz. Im Zuge der PISA Studie wird auf die sechs Prozent der 15-16-jährigen vergessen, die sich bereits aus dem Schulleben verabschiedet haben. ++++

Leseschwäche weit höher ausgeprägt als in PISA Studie angeführt
Nairz glaubt, dass die Leseschwäche weit stärker ausgeprägt ist als die PISA Studie aufzeigt. „Zur Risikogruppe der 31 Prozent, die unter Leseschwäche leiden, muss man auch die sechs Prozent der Schulabbrecher hinzurechnen, die an der Studie gar nicht erst teilgenommen haben. Die Vermutung liegt nahe, dass hier der Anteil der Betroffenen, die große Schwierigkeiten beim Lesen haben weitaus höher ist“, erklärt der Tiroler ÖGB Bildungssekretär.

Bildung muss barrierefrei werden
Für den ÖGB Tirol muss der Zugang zur Bildung barrierefreier werden. „Schule muss Fähigkeiten und Talente entdecken und fördern statt Fehler bestrafen. Derzeit hängt Förderung zu einem Großteil vom Einkommen oder Vermögen der Eltern ab. Wer sich Nachhilfe leisten kann, steht besser da“, bringt Nairz die Probleme auf den Punkt. Für den ÖGB Tirol lautet das Ziel, für Chancengerechtigkeit ohne soziale Selektion zu sorgen.

Unzählige Studien belegen Diskriminierung
Es ist in unzähligen Studien belegt, dass die frühe Zuweisung in Hauptschule oder Gymnasium auch eine Selektion in soziale Schichten ist. Geteilt wird nicht nach der Begabung, sondern nach der familiären Herkunft. Kinder von Eltern mit Uni-Abschluss gehen demnach zu 65 Prozent in die AHS, Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschule nur zu 15 Prozent. Deshalb müssen laut Nairz zukünftig nicht nur die Hauptschulen, sondern auch die Allgemeinbildenden Höheren Schulen in einer einheitlichen Schulform aufgehen.

Leseschwächen auch bei Erwachsenen – Gegenmaßnahmen erforderlich
Das einseitige und sozial diskriminierende Bildungssystem hat laut Nairz einen langen Rattenschwanz an Problemen mit sich gezogen. „Im Erwachsenenbereich ist die Analphabetenrate und der Anteil an Menschen mit Leseschwächen enorm hoch. Schätzungsweise weit mehr als 35.000 TirolerInnen, die im Berufsleben stehen haben Probleme in diesem Bereich. Das ist das Resultat einer verfehlten Bildungspolitik. Deshalb muss man auch im Erwachsenenbereich die Hebel ansetzen und dafür Sorge tragen, die Lese- und Schreibschwächen zu beheben.

Beseitigen der Barrieren zwischen Schule und Lehre, Lehre und Uni.
Die "Lehre mit Matura" muss laut der Gewerkschaft flächendeckend und gratis angeboten werden, damit die Bildung auch nach dem Lehrabschluss weitergehen kann. "Die Unternehmen müssen den Jugendlichen dann auch ermöglichen, neben der Arbeit studieren", fordert Nairz. Die gegenseitige Anrechenbarkeit von dualer Lehr- und berufsbildender Schulausbildung muss deutlich verbessert werden. „Wer mit einer fertigen Lehre in der Tasche sich noch höher qualifizieren will, der/dem muss die Ausbildung in entsprechender Höhe angerechnet werden“, so Nairz abschließend.

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