Do

05

Mai

2011

Wimmer: „Ohne Gewerkschaft wäre Lienzer Kaufkraft am Ende“

Produktionsgewerkschaft kämpft für Jobs und bessere Löhne in der Metallindustrie.

Rainer Wimmer, Vorsitzender der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) und ArbeitnehmerInnen-Chefvertreter bei den Kollektivvertragsverhandlungen in der Metallindustrie und der Elektronikindustrie, weißt anlässlich seines Lienz-Besuches einmal mehr auf die Bedeutung der Gewerkschaft in Kollektivvertragsverhandlungen hin. „Entgegen einer viel verbreiteten Meinung gibt es keine gesetzlichen Lohn- und Gehaltserhöhungen. Nur weil die Gewerkschaften ArbeitgeberInnen jedes Jahr vor den Verhandlungstisch holen, gibt es regelmäßige Einkommenserhöhungen und rechtliche Verbesserungen für ArbeitnehmerInnen. Doch auch die Wirtschaft hat was davon, und zwar eine deutlich erhöhte Kaufkraft und damit eine rosigere Konjunktur“, erklärt Wimmer. ++++

Krise wie ein Tornado über Lienzer Arbeitsmarkt
Viele Lienzer ArbeitnehmerInnen traten Anfang der Jahrtausendwende die Flucht in die Metall- und Elektroindustrie an. Bessere Bezahlung und höherer Mindestlohn, basierend auf den hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad, war die Triebfeder für viele OsttirolerInnen in die Branche zu wechseln. „2008 rollte die Krise dann wie ein Tornado über den Bezirk Lienz und hinterließ eine Arbeitslosenquote von aktuell 11,4 Prozent, oder 2.189 Menschen. Dem gegenüber stehen nur 107 offene Stellen. Doch die Situation könnte wesentlich schlimmer sein, hätte die Gewerkschaft nicht Maßnahmen zum Erhalt von Arbeitsplätzen in die Wege geleitet“, erklärt Fürhapter Peterpaul, PRO GE Ortsgruppenvorsitzender.

Kurzarbeit als Schutzschild gegen höhere Lienzer Arbeitslosigkeit
Der Arbeiterbetriebsratsvorsitzende der Firma Liebherr Wolfgang Gerl erklärt, wie er und die sozialen Haltung der Unternehmensleitung Arbeitsplätze retten konnte: „Gemeinsam mit der Gewerkschaft haben wir trotz massivsten Gegenwind der Tiroler Wirtschaftskammer das Instrument der Kurzarbeit durchsetzen und somit hunderte Arbeitsplätze sichern können. Jetzt hat auch das Unternehmen den Vorteil bei Anstieg der Nachfragen Aufträge mit Stammpersonal reibungslos abzuarbeiten“, erklärt Gerl. Die Arbeitslosigkeit wäre ohne Kurzarbeit im Osttiroler Raum weit höher, ist sich der Betriebsrat sicher. Durch Produktionsverlagerung kam es aber auch in Osttirol im produzierenden Bereich zu MitarbeiterInnenabbau.

Kaufkraft stärken
Lienz braucht dringend gut bezahlte Arbeitsplätze, sonst wird auch das Jammern der UnternehmerInnen über den mangelnden Konsum immer lauter. Um die immer lauter werdenden Schreie nach mehr Konsum zu befriedigen, gewinnt die Lohnverhandlungspolitik der Gewerkschaften immer mehr an Bedeutung. „Wir von der PRO-GE setzen uns jährlich in über 140 Kollektivverträge für höhere Löhne und bessere Rahmenbedingungen der Beschäftigten ein. Momentan kämpfen wir für ArbeitnehmerInnen der Chemische Industrie um gerechtere Löhne und Arbeitsbedinungen. Vergangene Woche konnte die PRO-GE für die Papier- und Pappenindustrie ein Abschluss erzielen: Die Mindestlöhne steigen um 3,1 Prozent. Am 15. April gelang der Abschluss für die Elektro-/Elektronikindustrie. Die rund 50.000 Beschäftigten bekommen mit 1. Mai 2011 zwischen 3,2 und 2,8 Prozent mehr Mindestlohn“, erklärt Wimmer, der sich bei der Unterstützung der 680 Lienzer PRO-GE Mitglieder in 13 organisierten Betrieben bedankt.

Zeit für neue Arbeitszeiten!
PRO-GE will bis September 2012 neue Modelle zur Arbeitszeitgestaltung festlegen. Mitte April hat die Gewerkschaft PRO-GE den Startschuss für eine grundlegende Debatte über neue Arbeitszeiten gegeben. Bis September 2012 soll eine neue Arbeitszeitpolitik festgelegt werden, gemeinsam mit Mitgliedern und BetriebsrätInnen.

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