Mi

27

Apr

2011

Vom Jubel im Tiroler Tourismus muss auch Belegschaft was haben

10,8 Prozent aller TirolerInnen sind in der Tourismusbranche beschäftigt, einer Branche der sich trotz scheinbarer Krisenstimmung immer mehr Jubelmeldungen entnehmen lassen. „Scheinbar geht es der Branche sehr gut. Ski-Hochburgen lassen sich sogar zu Freudentänzen hinreisen. Den 42.455 am Saisonhöchststand gemessenen Tiroler Tourismusbeschäftigten geht es da wesentlich schlechter“, erklärt Tirols vida-Vorsitzender Günter Mayr. Ungünstige und familienfeindliche Arbeitszeiten, eine niedrige Entlohnung, die auch bei höheren Qualifikationen kaum Zuwächse verspricht, kaum Angebote für betriebliche Weiterbildung und so gut wie keine innerbetrieblichen Karriereperspektiven prägen laut Mayr weiterhin das Berufsbild.

Arbeitsmarkt: Zahlen und Fakten zur Beschäftigung im Tiroler Tourismus
Mit 31.889 MitarbeiterInnen am Jahresdurchschnitt gemessen stellt der Tourismus einen Anteil von 10,8 Prozent an der Gesamtbeschäftigung in Tirol dar. Die Saisonschwankung in Tirol ist im Bundesländervergleich enorm stark ausgeprägt. In Spitzenzeiten arbeiteten im Tiroler Tourismus 2010 42.455 und in der Nebensaison 20.530 Menschen. Im Vergleich zu 2009 finden sich 2010 570 Beschäftigte mehr in der Tourismusbranche. Der Frauenanteil ist mit 60,9 Prozent vergleichsweise hoch. Im Jahresdurchschnitt sind Tirolweit 5.889 Tourismusfachkräfte arbeitslos gemeldet, zu Spitzenzeiten 12.756 der Tiefststand wurde mit 2.453 Arbeitslosen gemessen. Besonders gering ist die Nachfrage am Lehrstellenmarkt. Im Jahresschnitt waren 39 junge TirolerInnen auf der Suche nach einer Lehrstelle im Tourismus. Demgegenüber standen 329 offene Lehrstellen zu Option.

Schlechte Arbeitsbedingungen – ein Viertel weniger Lohn
„Die Arbeitsbedingungen im Tourismus sind schlecht. Es darf Wirtschaftstreibende also nicht verwundern, dass im Tourismus mit rund einem Drittel doppelt so viele Beschäftigte wie in den anderen Branchen ihre berufliche Zukunft in einem anderem Betrieb oder überhaupt gleich in einem anderen Beruf sehen“, erklärt Mayr. In PR-Aktionen des Tiroler Tourismus’ werden laut Mayr ArbeitnehmerInnen der Branche entweder gar nicht oder allenfalls am Rande erwähnt. Tirols Tourismusbeschäftigte verdienen rund ein Viertel weniger als Durchschnittseinkommen der anderen Wirtschaftssektoren. Die Bindung zum Unternehmen ist dementsprechend gering, was dazu führt, dass der Tourismus zunehmend als Übergangs- bzw. Fluchtbranche gesehen wird.

Tiroler Tourismus potent genug
Der Tiroler Tourismus ist ein sehr potenter und bestens von der öffentlichen Hand bestens unterstützter Wirtschaftsbereich. Es fehlt an modernen Berufsbildern, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen in den Betrieben. Dies sei jedoch notwendig, um anderen Branchen gegenüber konkurrenzfähig zu sein. „Wenn ich aus der heimischen Tourismuswirtschaft die eine oder den anderen über Personalmangel klagen höre, dass kann ich denen nur an herz legen, ihre MitarbeiterInnen zu wertschätzen, diese fair zu entlohnen und gute Arbeitsbedingungen zu bieten. Dann wird niemand ein Problem haben, sein Personal zu halten und motivierte MitarbeiterInnen zu finden“, erklärt Mayr abschließend.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

  • loading