Do
21
Apr
2011
Bodenseers seltsames Spiel
Leserbrief zum TT Artikel „Krise vorbei in Tiroler Wirtschaft“ TT, Seite 21, 16.4.2011 und TT Beilage Tiroler Wirtschaft vom 7. April „Warum die Lohnnebenkosten runter müssen“
Die letztens sehr verwirrenden Äußerungen des Tiroler Wirtschaftskammerpräsidenten Jürgen Bodenseer in der Tiroler Tageszeitung und der Tiroler Wirtschaft lassen bei mir große Verwunderung
aufkommen. Tatsächlich fordert er eine Senkung der Lohnnebenkosten. Dabei scheinen dem Wirtschaftsvertreter der Tiroler Volkspartei entgangen zu sein, dass die Senkung der Lohnnebenkosten weniger
Einkommen, weniger bezahlte Freizeit und weniger soziale Sicherheit zur Folge hätte. Oder aber auch nicht. Er kritisiert auch, dass ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Österreich wesentlich
mehr kostet als vergleichsweise in Tschechien oder in China. Hallo?!?! Zudem versucht er einmal mehr den Mittelstand, der ganz nebenbei auf arbeitsmarkttechnischer Basis nicht existent ist, auf
seine Seite zu ziehen. Was ist für Bodenseer der Mittelstand? Ein Arbeitnehmer, mit einem Einkommen von 1.500 Euro, ein Arbeitnehmer mit einem Einkommen von 10.000 Euro, oder doch Vermögende
Unternehmer? Will er dass Arbeitnehmer weniger Steuern zahlen und Unternehmen mehr? Will er, dass Arbeitnehmer weniger verdienen und mehr konsumieren oder umgekehrt? Will er Löhne wie in China?
Wo will Bodenseer hin? Schön langsam hab ich das mit viel Geld finanzierte Verwirrspiel Bodenseers satt. Ich kann nur hoffen, er konzentriert sich in Zukunft auf wirklich relevante Themen und
lässt dort seine Beziehungen und Äußerungen breitenwirksam und klar definiert nieder. Ein sehr wichtiges und bedeutendes Thema wäre demnach Bildung. Um in Zukunft wettbewerbsfähig zu blieben
müssen wir unsere Arbeitnehmer zukunftsorientiert ausbilden und dürfen nicht darauf setzen, dass Löhne gekappt werden und chinesische Verhältnisse vorherrschen. Wir wollen schließlich qualitativ
hochwertige Tiroler Produkte und Dienstleistungen verkaufen und nicht auf einem Berg unterbezahlter und unmotivierter Arbeitnehmer enden. Ganz nach dem Motto „Geht’s den Menschen gut, geht’s der
Wirtschaft gut“.
Roland Müller, Innsbruck


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