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23

Mär

2011

PensionistInnen sind nicht nur Kostenfaktor - Jung und alt dürfen sich nicht ausspielen lassen

v.l.n.r.: Gerhard Rosa, Dr. Johanna Wieser, Josef Brandstätter, Anton Gschwendtner v.l.n.r.: Gerhard Rosa, Dr. Johanna Wieser, Josef Brandstätter, Anton Gschwendtner

Tirols PensionistInnen haben mit einer Pensionserhöhung von 1,2 Prozent für die kleinen und mittleren Pensionen einen hohen Beitrag zur Budgetkonsolidierung beigetragen. Noch dazu gibt es ab 2.310 Euro keine Anpassung mehr. Demgegenüber stehen die Preisexplosion von Öl und Nahrungsmittel und die exorbitant hohen Lebenserhaltungskosten im Raum Kitzbühel. „Ein gefährlicher Mix, der einige PensionistInnen an den Rand der Armut treibt. Zudem werden PensionistInnen immer als Kostenproblem in der Öffentlichkeit dargestellt. Dabei gilt genau diese Gruppe als einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren für Österreich, den man nicht verhungern lassen darf“, so die Tiroler ÖGB Pensionistenvorsitzende Dr.in Johanna Wieser.

ÖGB fordert PensionistInnenpreisindex
Zu den Lohnerhöhungen für PensionistInnen wird jährlich die Inflationsrate zwischen August und Juli herangezogen, weiß auch Kitzbühler ÖGB Pensionistenvertreter Josef Brandstätter: „Leider passieren Erhöhungen immer im Nachhinein, was die aktuelle Situation für Betroffene schwieriger macht. Deshalb rechnen wir bei den heurigen Verhandlungen mit einer wesentlich höheren Anpassung. Die Inflationsrate ist jetzt schon auf drei Prozent geklettert. Wir würden uns wünschen, dass zur Berechnung der PensionistInnenpreisindex herangezogen wird. Dieser liegt um 0,2 bis 0,4 Prozent über der Inflationsrate und wird auf Basis der PensionistInnen tatsächlichen betreffenden Teuerung berechnet.“

Ungünstige Situation für Kitzbühels PensionistInnen
ÖGB Regionalsekretär Hansjörg Hanser weist auf die hohen Lebenserhaltungskosten für Kitzbühler PensionistInnen hin: „In Kitzbühel sind Grundstücks- und Wohnungspreise Österreichweit am höchsten und auch die Preisexplosion von Heizöl (+30%) und Obst (+24%) macht sich in den Geldbörsen einer/s jeden KitzbühlersIn bemerkbar. Das verschärft die finanzielle Lage vieler KitzbühlerInnen, besonders jene der PensionistInnen zunehmend.“

Alt und Jung darf sich nicht ausspielen lassen
Zudem warnt Dr.in Wieser junge und alte Menschen sich von der Wirtschaft gegenseitig ausspielen zu lasse: „Solange sich Alte und Junge gegenseitig als eine Art von Sozialschmarotzern beschimpfen, spielen sie nur denjenigen in die Hände, die beiden Gruppen etwas wegnehmen wollen. Solange gestritten wird, ob die Kids oder die Pensis weniger vom Sozialstaat bekommen sollen, wird schön davon abgelenkt, wo es wirklich was zu holen gäbe und zwar von den Reichen.“

Streichung des Alleinverdienerabsetzbetrages: 20 Euro weniger im Vergleich zum Vorjahr
Nicht nur PensionistInnen mit einem Einkommen von mehr 2.310 Euro die in Relation weniger bekommen als im Vorjahr, sondern auch Menschen, die von 1.200 Euro und dem Alleinverdienerabsetzbetrag leben, sind von realen Kürzungen betroffen lässt Anton Gschwendtner wissen: „Wir kritisieren die Abschaffung des Alleinverdienerabsetzbetrages. Die Neuregelung hat für Tirols Pensionisten Einkommensverluste zur Folge. Durch die sozial ungerechte und unfaire Abschaffung des Absetzbetrages verlieren BezieherInnen geringer Pensionen rund 20 Euro an monatlichem Einkommen. Die Entscheidung zur Abschaffung hat einmal mehr negative finanzielle Auswirkungen für PensionistInnen.“

40 und 45 Jahre Arbeit sind genug
Wenig hält der ÖGB auch von der ewigen Diskussion rund um das Pensionsantrittsalter: „Der Angriff auf Frühpensionen, egal ob Alters, Invaliditäts- und Arbeitsunfähigkeitspension oder Langzeitversichertenregelung sind durch beitrags- oder krankheitsbedingten Gründen gedeckt und gerechtfertigt. Wenn Menschen 40 bis 45 Jahre im Berufsleben stehen haben sie Anspruch auf eine sozial gerechte Pension, insbesondere weil der Schritt in die Pension in der Regel - neben Erkrankungen - durch fehlende altersgerechte Arbeitsplätze erfolgt. UnternehmerInnen müssen altersgerechte Arbeitsplätze schaffen und dürfen nicht jammern, wenn sich Menschen sprichwörtlich krank arbeiten und vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden“, so Hanser.

ÖGB PensionistInnen zufrieden mit Einigung auf den Pflegefonds
Die Einigung auf den Pflegefonds ist ein wichtiger Schritt zur Sozialmilliarde, die der ÖGB vehement eingefordert hat und wird durch die zentrale Koordination für AntragstellerInnen wesentlich vereinfacht. „Die Dotierung von derzeit 700 Millionen Euro muss aber perspektivisch an die steigenden Bedürfnisse angepasst werden. Bei der konkreten Umsetzung muss das Prinzip Sachleistungen vor Geldleistungen umgesetzt werden. Mit dem Pflegefonds müssen die Defizite bei Pflege und Betreuung beseitigt werden. Ganz wesentlich ist für den ÖGB aber, dass damit zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden“, fügt Brandstätter hinzu.

PensionistInnen als wichtiger Wirtschaftsfaktor
Die mehr als 2,6 Millionen PensionistInnen sind für Österreichs Wirtschaft ein nicht mehr wegzudenkender Konjunkturmotor. „Diesen durch Streichungen abzuwürgen wird auch für die Wirtschaft selbst fatale Folgen haben. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass PensionistInnen bekanntlich den Großteil ihres Vermögens auch in die österreichische Wirtschaft zurückpunpen und somit auch durch Steuern einen maßgeblichen Anteil zur Erhaltung unseres Steuersystems beitragen“, betont Dr.in Wieser abschließend.

Mit zahlreichen Forderungen, die beim Bundeskongress 2009 beschlossen wurden, verlangt der ÖGB mehr Verteilungsgerechtigkeit:
* Sicherung des Umlage-Pensionssystems
* Gerechtes System für alle Pensionsarten: gleiche Beiträge für alle
* unbefristete Regelung für Menschen, die 45 bzw. 40 Jahre Beiträge geleistet haben
* Reform von Schwerarbeits-, Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension
* Arbeitslosengeld bis zum Regelpensionsalter statt vorzeitigen Pensionsantritt ermöglichen
* Wertsicherung der Pensionen durch jährliche Erhöhungen
* Pensionskassen: garantierter Mindestertrag
* Wahl- und Wechselmöglichkeit zwischen Pensionskassen
* Intensivere Aktivierungsmaßnahmen für Ältere am Arbeitsmarkt
* Verbesserung des Zuganges zu Aus- und Weiterbildung
* Gemeinsame Schule für alle 6- bis 15-Jährigen
* Berufs- und Bildungswegorientierung in der 6. bis 8. Schulstufe
* SchülerInnen nach ihren Stärken und Fähigkeiten optimal und individuell fördern
* Aufstockung der überbetrieblichen Ausbildungsplätze
* garantierte Umsetzung der Ausbildungsgarantie
* Verkürzung der Probezeit für Lehrlinge auf einen Monat
* Verlängerung der Behaltezeit nach dem Lehrabschluss auf sechs Monate

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