Mo

07

Mär

2011

Leist: „Bildung muss weiter gehen“ - ÖGB setzt auf Bildung für jede/n ein Leben lang

Tirols PISA und andere Studien haben ans Tageslicht gebracht, dass Reformen im Bildungssystem überfällig sind. Die aktuelle Diskussion rund um die Bildungsreform geht ÖGB Tirol und Gewerkschaften aber nicht weit genug. „Denn Bildung geht weiter als bis zum Lehrabschluss, weiter als bis zur Matura, oder weiter als bis zum Studienabschluss. Bildung dauert ein Leben lang“, so der gf. Tiroler ÖGB Vorsitzende Otto Leist. Neben einer guten Ausbildung bildet für Leist die ständige Weiterbildung die Basis für Chancen in der Arbeitswelt, gute Einkommen, ein sicheres Sozialsystem und einen konkurrenzfähige Wirtschaftsstandorte Tirol und Österreich.

Gemeinsame Schule für 6- bis 15-Jährige
Schule muss laut Leist Fähigkeiten fördern. Die Förderung hängt zu einem Großteil aber vom Einkommen der Eltern ab. "Wer sich Nachhilfe leisten kann, steht besser da. Mit deutlich mehr ganztägigen Schulangeboten würden sich Eltern auch die teuren Nachhilfestunden ersparen", so Otto Leist. Jährlich geben Österreichs Eltern 120 bis 130 Millionen Euro für Nachhilfe aus. Der ÖGB fordert daher für alle Tiroler Bezirk zumindest eine Volks- und eine Mittelschule mit Ganztagsangebot.

Gleiche Bildungschancen für alle
Studien belegen, dass die frühe Zuweisung in Hauptschule oder Gymnasium auch eine Selektion in soziale Schichten ist. Geteilt wird nicht nach der Begabung, sondern nach der familiären Herkunft. Kinder von Eltern mit Uni-Abschluss gehen zu 65 Prozent in die AHS, Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschule nur zu 15 Prozent. Ziel ist die Chancengerechtigkeit für alle.

Lehre als Überholspur
Die "Lehre mit Matura" muss flächendeckend und gratis angeboten werden, damit die Bildung auch nach dem Lehrabschluss weitergehen kann. Die gegenseitige Anrechenbarkeit von dualer Lehr- und berufsbildender Schulausbildung muss deutlich verbessert werden. „Wer schon Schuljahre in der HTL verbracht hat, soll nicht mehr als Lehrling im ersten Lehrjahr eingestuft werden. Und wer mit einer fertigen Lehre in der Tasche noch in der Schule weiterlernen will, soll in eine entsprechend hohe Klasse eingeschult werden. Berufsbildende höhere Schulabschlüsse sollen als Lehrabschluss anerkannt werden, damit die MaturantInnen nicht bezahlt werden wie ein Lehrling, sondern korrekt als Fachkraft“ erklärt Otto Leist.

Weiterbildung zahlt sich aus
Weiterbildung ist ein Eckpfeiler des beruflichen Erfolgs. Hier kommt künftig auch den BetriebsrätInnen eine verantwortungsvolle Rolle zu. Diese werden sich verstärkt in der Rolle von BildungsberaterInnen wiederfinden und benötigen dazu die entsprechenden Werkzeuge. Für den Betriebsrat muss es daher Verbesserungen bei der Bildungsfreistellung geben.

Nutzen für Unternehmen
Aber nicht nur für ArbeitnehmerInnen lohnt sich Weiterbildung. Eine Studie zeigt, dass jeder in Weiterbildung investierte Euro bringt dem Unternehmen 13 Euro zurückbringt. „Doch derzeit spielt Geld bei der Weiterbildung insofern eine Rolle, als dass sich die Beschäftigten diese selbst bezahlen müssen. Daher fordert der ÖGB Tirol, dass alle Bildungsabschlüsse bis zur Matura sollten gratis nachgeholt werden können“, so Leist abschließend.

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