Mi
02
Mär
2011
ÖGB Tirol und Gleichbehandlungsanwaltschaft als Wächterinnen bei Einkommenstransparenz in Tiroler Betrieben
Dr.in Mag.a Ulrike Kraus, Ulrike Ernstbrunner und Mag.a Monika Groser
Die Frauen des ÖGB Tirol und die Gleichbehandlungsanwältin Mag.a Monika Groser werden den acht Tiroler Betrieben, die 2011 zur Offenlegung der Einkommensunterschiede verpflichtet sind, genauestens auf die Finger schauen. „Gemeinsam mit BetriebsrätInnen, aber auch mit ArbeitnehmerInnen in Betrieben ohne Belegschaftsvertretung, werden wir öffentlich Druck machen, sollten die Einkommensunterschiede nicht offen gelegt werden. Zudem machen sich VerweigererInnen ohnehin verdächtig, Frauen markant schlechter zu bezahlen“, erklärt Ulrike Ernstbrunner, Tiroler ÖGB Frauenvorsitzende.
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Acht Tiroler Unternehmen verpflichtet
Tiroler Unternehmen, die 2011 ihre Gehälter offen legen müssen sind Plansee, Swarovski, Egger, M-Preis, Tyrolit, Ortner Anlagen, Sandoz und Swarco. „In vier der acht Betriebe haben wir in Form
einer Betriebsratskörperschaft gute und verlässliche AnsprechpartnerInnen. Aber auch andere Betriebe werden sich nicht ungeschoren aus der Verantwortung stehlen können“, ist sich Mag.a Monika
Groser, Regionalanwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt in Tirol, Salzburg und Vorarlberg sicher.
Ursachen der Diskriminierung
„Die Diskriminierung passiert in erster Linie im Bereich der KV-Überzahlungen, weniger Zulagen und Prämien sowie mangelhafter Anrechnung der Vordienstzeiten. Branchen, in denen Frauen arbeiten,
werden schlechter bezahlt und damit auch deren Arbeit schlechter bewertet. Wir werden nicht darum herum kommen, auch Frauenarbeit besser und fairer einzustufen“, sieht Mag.a Dr.in Ulrike Kraus,
Juristin in der Sozialpolitische Abteilung der AK-Tirol und stv. Tiroler ÖGB Frauenvorsitzende, dringend Handlungsbedarf.
Angabe von KV-Mindestlöhnen in Stelleninseraten
Die Einkommensberichte sind für beide Organisationen ein systematisches Instrument, die Einkommensunterschiede auszumerzen. Bei Stelleninseraten muss seit gestern auch die Bezahlung nach
Kollektivvertrag, sowie mögliche Überzahlung angegeben werden. „Das ist ein weiterer Meilenstein. Damit steht es Schwarz auf Weiß, was jemanden zusteht. Frauen brauchen sich nicht mehr fürchten,
mit erhöhten Gehaltsforderungen zum Bewerbungsgespräch zu gehen. Durch Angabe der Überzahlung starten Frauen ganz anders in ein Bewerbungsgespräch“, informiert Groser.
Verheerende Einkommenskluft in Tirol
Tiroler Frauen verdienen laut der Lohnsteuerstatistik 2009 im Jahr mit 17.682 um 887 Euro Netto weniger pro Jahr als das zweitschlechteste Bundesland Salzburg. Niederösterreichs Frauen bleiben
jährlich 3.276 Euro mehr im Geldbeutel. „Diese Tatsache bedarf dringenden Handelns. Genau deshalb müssen wir mit dem neuen Gesetz und der damit verbundenen Einkommenstransparenz einen Startschuss
zur Schließung der Einkommensschere setzen. Passend zum bevorstehenden Weltfrauentag in einer Woche freuen wir uns ganz besonders ein Werkzeug dafür in der Hand zu haben“, so Ernstbrunner.
Gewissheit mit Einkommensbericht
„Den Arbeitnehmerinnen ist noch nicht bewusst, dass sie mit den Einkommensberichten Gewissheit bekommen. Wenn nötig kann man gemeinsam mit dem Betriebsrat aktiv gegen Einkommensunterschiede
vorgehen. Das wird dazu führen, dass es faire Einkommen in den Betrieben geben wird, und zwar für beide Geschlechter“, ist sich Kraus sicher.
ÖGB ruft zur Demo für Frauenrechte am 19. März auf
„Wir Gewerkschafterinnen haben uns ebenfalls angeschlossen, um diesem Ereignis am 19. März beizuwohnen und uns aktiv für Frauenrechte stark zu machen. Als Interessensvertretung der
ArbeiternehmerInnen werden wir unser Engagement für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen auch in diesem Rahmen einsetzen und im Vorfeld informieren, mobilisieren und die Aktion unterstützen
sowie unsere Forderungen und Zielsetzungen vorantreiben. Aus unserer Sicht muss gesellschaftliche Gleichstellung auch ökonomische Gleichberechtigung beinhalten, von Einkommensgerechtigkeit bis zu
Chancengleichheit im Beruf und fairem Zugang zu Führungspositionen“, erklärt Ernstbrunner. Die Kampagne der Tiroler ÖGB Frauen "Ich will´s FAIR" mit der Symbolfigur "Marie Los" wird 2011
fortgesetzt. Der diesjährige Schwerpunkt ist "Einkommensunterschiede abbauen".


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