Do
03
Feb
2011
Leist: „PISA Studie für Tirol muss PolitikerInnen aufwecken“
„Das Ergebnis der PISA-Studie für Tirol ist beschämend und wohl auch der letzte Beweis dafür, dass eine grundlegende Erneuerung des Bildungswesens auch Tiroler PolitikerInnen mittragen müssen. ReformverweigererInnen sollten gleich wie Sozialpartner nach vorne schauen und statt Grundsatzstreitigkeiten die Zukunft der Kinder im Auge behalten“, erklärt der gf. Tiroler ÖGB Vorsitzende Otto Leist.
Die Sozialpartner sind sich einig, dass es für den Wirtschaftsstandort Österreich ganz entscheidend sei, das Potential und die Talente aller in Österreich lebenden jungen Menschen bestmöglich zur
Entfaltung zu bringen. Der ÖGB Tirol pocht deshalb weiter auf den Ausbau der Mittelschulen in Tirol. „Die Ausweitung der Neuen Mittelschule kann aus Sicht des ÖGB aber nur ein Zwischenschritt zu
einem gerechten und effizienten Schulsystem sein, denn nur auf die Hauptschulen neue Schilder zu schrauben ist uns zuwenig. Im Sinne der Chancengerechtigkeit muss eine gemeinsame Schule für alle
bis zum 15. Lebensjahr das Ziel bleiben. Nicht mehr der soziale Status oder das Einkommen von Eltern darf darüber entscheiden, wer an welche Schule kommt. Schulerfolg darf nicht mehr davon
abhängen, ob sich Eltern Nachhilfe leisten können“, so Leist.
Tirols wirtschaftliche Stärke, seine Attraktivität als Innovationsstandort und damit auch den Wohlstand und sozialen Zusammenhalt kann für Leist nur dann erhalten werden, wenn im Bereich der
Bildung und Qualifizierung weitere Reformschritte gesetzt werden. "Jetzt ist in der Bildungspolitik vor allem mehr Tempo notwendig. Dass das österreichische Bildungssystem von Grund auf
reformiert gehört, ist schon lange klar. Wir können nur hoffen, dass das PISA-Desaster jetzt auch Tiroler PolitikerInnen einen Reformschub verleiht“, so Leist abschließend.
Die Sozialpartner-Positionen zum "Bildungsdialog":
1. PädagogInnenausbildung NEU
Die Sozialpartner sprechen sich für eine gemeinsame Ausbildung aller PädagogInnen (Kindergarten, Schule, Erwachsenenbildung) auf tertiärem Niveau aus.
2. Neues Dienst- und Besoldungsrecht für neu eintretende Lehrkräfte Der Lehrerberuf soll durch ein leistungsgerechtes bundesweit einheitliches Dienst- und Besoldungsrecht
attraktiver gemacht werden. Es soll auch eine Ausdehnung der Anwesenheit von Lehrkräften an der Schule bei verbesserten Arbeitsbedingungen beinhalten.
3. Weiterentwicklung der österreichweiten Schulaufsicht Höhere Qualität bedarf einer neuen Schulgovernance. Das beinhaltet eine Stärkung der Autonomie der Schulen - zB
Lehrkräfte auszuwählen Evaluierung und Qualitätsmanagement jedes einzelnen Schulstandortes sind wichtig.
4. Sprachförderung bereits im Kindergarten
Die Sozialpartner begrüßen den Nationalen Bildungsplan für die Kindergärten. Der Kindergarten soll die Voraussetzungen für den erfolgreichen Schuleintritt schaffen. Das sind insbesondere
ausreichende Deutschkenntnisse. Die Sozialpartner fordern die Bundeskompetenz für eine Rahmengesetzgebung bezüglich Qualitätskriterien und Standards.
5. Ausbau Neue Mittelschule
Der Ausbau der Neuen Mittelschule ist ein wichtiger Punkt zur besseren Entwicklung der Potentiale Jugendlicher zwischen 10 und 14 Jahren. Eine quantitative Beschränkung dieses Schulversuchs ist
nicht sinnvoll. Die Sozialpartner treten dafür ein, dass alle notwendigen Schritte insbesondere in Bezug auf eine einheitliche Ausbildung aller Lehrkräfte auf der Sekundarstufe I sowie einer
Reform des Dienst- und Besoldungsrechts in Angriff genommen werden, um so wesentliche Voraussetzungen für eine damit mögliche gemeinsame Schule der 10-14Jährigen zu schaffen.
6. Ausbau ganztägige Schulangebote mit verstärkter Förderung Der flächendeckende Ausbau von Ganztagsschulen ist wichtig, um die Fähigkeiten aller Kinder zur Entfaltung zu
bringen. . Kurzfristiges Ziel ist, in jedem Bezirk zumindest eine Volksschule sowie eine Schule der Sekundarstufe I mit ganztägiger Betreuung zu haben.
7. Feedback-Kultur in 4. und 8. Schulstufe - Überprüfung Grundkompetenz
Die bereits gesetzten Schritte, in der 4. und 8. Schulstufe durch eine schulexterne Überprüfung von Bildungsstandards ab 2012 eine neue Feedbackkultur zu etablieren, findet die volle
Unterstützung. Die Sozialpartner gehen noch weiter: Bildungsstandards mit klar definierten Mindestlevels sollen zu einer Verbindlichkeit von Bildungszielen und zu einer höheren Verlässlichkeit
des Schulsystems betragen. Deren Überprüfung soll flächendeckend und die Auswertung auf individueller Ebene erfolgen.
8. Kleinere Gruppen und Individualisierung im Unterricht
Die Schüler sollen entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten gefördert werden. Dazu sind kleinere Schülergruppen notwendig. Außerdem sollen Alternativen zur gegenwärtigen Fächerstruktur durch
fächerverbindende, projektartige Unterrichtsformen und eine alternative Zeitorganisation erarbeitet werden.
9. Studienwahlberatung NEU und Bildungsweg- und Berufsorientierung Die Sozialpartner begrüßen das Vorhaben, die Studienwahlberatung neu zu regeln und regen an, dass sie aufgrund
ihrer Expertise zu den Beratungen über die Eckpunkte der geplanten Verordnung beigezogen werden. Die bereits gesetzten Maßnahmen im Bereich Information, Beratung, Orientierung in der 7. und 8.
Schulstufe werden begrüßt. Die Sozialpartner sprechen sich dafür aus, Berufsorientierung auf diesen Schulstufen ausschließlich als verbindliche Übung anzubieten.
10. Studienplatzbezogenen Finanzierung der Universitäten und Hochschulplan
Die österreichische Hochschullandschaft soll mit Hilfe eines "Hochschulplans" strategisch weiterentwickelt werden. Ein gesamtösterreichischer Hochschulplan soll in Kooperation mit den
Hochschuleinrichtungen und den Sozialpartnern erstellt werden. Die Sozialpartner unterstützen das Vorhaben, so rasch wie möglich eine fundierte und transparente Grundlage zu schaffen, welche die
Ist-und Normkosten für einen Studienplatz darstellbar macht. Zudem sind unterschiedliche Szenarien und Modelle der Studienplatzfinanzierung zu prüfen.
11. Qualitätssicherungsinitiative im Hochschulwesen
Die Sozialpartner befürworten die Arbeiten an einem hochschulübergreifenden Rahmengesetz zur externen Qualitätssicherung an Universitäten, Fachhochschulen und Privatuniversitäten. das vorgesehene
Mitentscheidungsrecht von Vertretern der Berufspraxis und das Nominierungsrecht der Sozialpartner wird begrüßt.
12. LLL-Strategie und Kofinanzierungsmodell für kostenloses Nachholen von Bildungsabschlüssen
Die Arbeiten an einer umfassenden Strategie zum LLL (Lebenslanges Lernen) sind noch im Gange. Dabei soll auch die Vermittlung von New Skills für Chancen auf dem Arbeitsmarkt besonders
thematisiert werden. Die Sozialpartner sehen in der Einrichtung der "Nationalen Plattform für lebensbegleitendes Lernen" einen wichtigen Schritt und fordern Sitz und Stimme in diesem
Gremium.


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