Mi
12
Jan
2011
Der Schein am Tiroler Lehrstellenmarkt trügt
Auf den ersten Blick scheint die Welt für Tiroler Lehrlinge in Ordnung und die Krise überwunden zu sein. Im Dezember 2010 konnten 322 Lehrstellensuchende auf 519 offene Lehrstellen zurückblicken. “So weit so gut. Wer jedoch genauer hinsieht kann feststellen, dass sich zuzüglich der 318 in Schulungsmaßnahmen befindlichen Jugendlichen eine Gesamtzahl von 640 Lehrstellensuchende in Tirol ergibt. Dem hinzu kommt noch die Tatsache, dass 387 der offenen Lehrstellen auf die Tourismusbranche fallen, in der nur 35 Jugendliche einen Job suchen. Damit entpuppt sich die Situation am Tiroler Lehrstellenmarkt als weit weniger rosig als in der Öffentlichkeit dargestellt“, erklärt der Tiroler ÖGB Landesjugendsekretär Manuel Unterkircher. ++++
Rechnet man den Tourismusbereich weg, stehen 287 Suchende 132 offenen Lehrstellen gegenüber. Warum sich Tiroler Jugendliche kaum für Arbeitsplätze im Tourismus begeistern lassen bringt
Unterkircher folgendermaßen auf den Punkt: „Lehrlinge im Tiroler Hotel- und Gastgewerbe finden häufig schwierige Bedingungen, wie die sehr flexiblen Arbeitszeiten und die äußerst schlechte
Bezahlung, vor. Nur etwas mehr als die Hälfte der Lehrlinge hat das Gefühl, dass sie sehr gut oder gut ausgebildet werden.“
Den potentiellen Tourismuslehrlingen fehlen auch Sicherheiten beim Lehrstellenantritt. Denn der ÖGB vermeldet vermehrt Anfragen Betroffener, wonach das Dienstverhältnis des Öfteren vor Ablauf der
dreimonatigen Probezeit gelöst wird. „Lehrlinge, auch jene die älter als 18 Jahre sind, werden im Dezember eingestellt und Mitte Februar wird die Zusammenarbeit beendet. Deshalb ist es höchste
Zeit die Probezeit auf ein Monat zu verkürzen, um so Dienstgebern im Tourismusbereich dieses Schlupfloch zu stopfen“, so Unterkircher abschließend.


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