Di
21
Dez
2010
Leist: „Weihnachtsgeld ist nicht selbstverständlich“
Der ÖGB Tirol und seine sieben Gewerkschaften verhandeln jedes Jahr mehr als 500 Kollektivverträge aus und sichern somit die Interessen der mehr als 300.000 Tiroler ArbeitnehmerInnen. „Auch das Weihnachtsgeld bringt nicht das Christkindl. Ohne Gewerkschaft kein Weihnachtsgeld. Dafür gibt’s kein Gesetz, sondern ausschließlich Kollektivverträge, die nur wir mit ArbeitgeberInnen ausverhandeln“, stellt der gf. Tiroler ÖGB Vorsitzende Otto Leist im Zuge der Tiroler ÖGB-Weihnachtsgeldtour klar, bei der in allen Tiroler Bezirken mit mehr als 4.000 Tiroler ArbeitnehmerInnen gesprochen wurde.
Weihnachtsgeld ausschließlich in KVs geregelt
Die Gewerkschaften verhandeln also jedes Jahr nicht nur Lohn- und Gehaltserhöhungen aus, sondern sorgen auch dafür, dass Urlaubs- und Weihnachtsgeld - also der so genannte 13. und 14. Monatsbezug
im Kollektivvertrag geregelt wird. „Dies wird ausschließlich in Kollektivverträgen geregelt. Es gibt hier kein Gesetz. Ohne die gewerkschaftlichen Kollektivvertragsverhandlungen würde es unter
anderem Urlaubs- und Weihnachtsgeld vermutlich gar nicht geben. Im Übrigen steht Österreich mit der Regelung in den Kollektivverträgen in der EU ganz gut da. Denn in Deutschland zum Beispiel sind
Urlaubs- und Weihnachtsgeld in der gleichen Höhe wie in Österreich grundsätzlich nicht üblich“, fügt die Tiroler ÖGB Frauenvorsitzende Ulrike Ernstbrunner hinzu.
ÖGB-Weihnachtsgeldtour in Tirol
Um der arbeitenden Bevölkerung diesen Vorteil näher zu erläutern, touren GewerkschafterInnen in den vergangenen zwei Wochen durch Tirol um Aufklärungsarbeit zu leisten. „Wir machen das auch
daher, weil wir immer wieder von der ArbeitgeberInnenseite hören, dass man das 13. und 14. Gehalt abschaffen oder beschneiden will, weil dies den Unternehmen viel zu teuer käme. ManagerInnen und
VorstandsdirektorInnen verdienen so viel, dass sie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld nicht nötig haben. Gewerkschaften haben Weihnachts- und Urlaubsgeld aber für die arbeitenden Menschen erkämpft.
TirolerInnen sollen sich im Urlaub und zu Weihnachten auch was leisten können. Darum kämpfen wir“, bringt der ÖGB Landesjugendsekretär Philip Wohlgemuth den Sinn und Zweck der Weihnachtsgeldtour
auf den Punkt.
Auch Branchen ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld
Bei ZahntechnikerInnen wird beispielsweise kein Weihnachts- und Urlaubsgeld ausbezahlt. „Hier schlägt die geringe gewerkschaftliche Organisationsdichte negativ zu Buche. Würden sich mehr Menschen
dieser Branche der Gewerkschaft anschließen, könnten wir in Kollektivvertragsverhandlungen mehr, sprich auch eine Urlaubs- und Weihnachtsgeld erkämpfen. Eine Faustregel besagt, dass je mehr
ArbeitnehmerInnen pro Branche Gewerkschaftsmitglieder sind, desto höhere Löhne und rahmenrechtliche Vorteile ausverhandelt werden können. Als Beispiel darf der gut bezahlte Bereich der
Metallindustrie, Stichwort 1.500 Euro Mindestlohn, genannt werden“, so Ernstbrunner.
ÖGB hat fast ausschließliche KV-Berechtigung
Kollektivverträge werden in Österreich nicht für einzelne Betriebe, sondern für Branchen in Bundesländern oder für das gesamte Bundesgebiet vereinbart. Die Fähigkeit, Kollektivverträge
abzuschließen, beruht in Österreich entweder kraft Gesetz oder auf behördlicher Zuerkennung durch das Bundeseinigungsamt. „Dem ÖGB kommt heute auf Arbeitnehmerseite eine nahezu ausschließliche
Kompetenz bei der Aushandlung tarifvertraglicher Arbeitsbeziehungen zu. Ihm wurde durch Beschluss des Bundeseinigungsamtes vom 4. September 1947 die Kollektivvertragsfähigkeit zuerkannt, und
dieser ist bis heute gültig“, informiert Wohlgemuth.
ÖGB Mitgliedschaft rechnet sich
Wird alleine das Urlaubs- und Weihnachtsgeld dem Mitgliedsbeitrag - der grundsätzlich ein Prozent des Bruttoeinkommens beträgt und auch steuermindernd geltend gemacht werden kann -
Gegenübergestellt, dann ist ganz klar ersichtlich, dass sich eine Mitgliedschaft bei der Gewerkschaft auszahlt. „Für alle! Denn mit schwachen Gewerkschaften können die bisherigen Errungenschaften
nur schwer aufrechterhalten werden, vor allem in einer globalisierten Weltwirtschaft“, so Otto Leist abschließend.


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