Di
16
Nov
2010
Tiroler Handelsangestellte äußern Unmut vor WK in Wien
Da die Kollektivvertragsverhandlungen für die etwa 450.000 (Tirol: 45.000) Beschäftigten des Handels auch nach der vierten Runde kein Ergebnis brachten, kommen die BetriebsrätInnen des Handels morgen zu einer Österreichweiten Konferenz in Wien zusammen. „Es kann nicht sein, dass ArbeitnehmerInnen der Handelsbranche, insbesondere TirolerInnen, immer mehr zu working poors mutieren. Deshalb gibt’s im Anschluss an die Konferenz und unmittelbar vor der nächsten Verhandlungsrunde eine öffentliche Kundgebung vor der WK Wien um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Selbstverständlich mit Tiroler Beteiligung“, informiert der Tiroler ÖGB Vorsitzende und GPA-djp Wirtschaftsbereichsvorsitzender im Handel Otto Leist.
„Als Teil des Verhandlungsteams und als Vertreter der Tiroler Handelsangestellten ist es mir ein besonderes Anliegen, dass im Handel fairer entlohnt wird und fairere Arbeitsbedingungen herrschen. Die Zahl der working poors ist in dieser Branche stark angestiegen. Dies belegt die Tatsache, dass ein/e Handelsangestellte/r durchschnittlich 770 Euro verdient. Die Armutsgrenze liegt bei 951 Euro. TirolerInnen sind durch hohe Wohn- und Pendlerkosten noch weit stärker betroffen als andere Bundesländer. Damit ist ein Auskommen mit dem Einkommen nicht mehr möglich.“, erklärt Leist.
Weit über 90 Prozent der Teilzeitbeschäftigten im Tiroler Handel sind Frauen. „Die Welle an atypisch beschäftigten ArbeitnehmerInnen im Handel ist auffallend angestiegen. Bei einer Wochenöffnungszeit von 72 Stunden ergebe sich inklusive Vor- und Abschlussarbeiten eine mögliche Wochenarbeitszeit von 80 Stunden. Betroffene zahlen also auch mit ihrer Verfügbarkeit einen hohen Preis. Leider werden in einigen Handelsunternehmen Mehrstundenzuschläge nicht einmal ausbezahlt“, kritisiert Leist.
Stand der Handels-KV-Verhandlungen nach vier Runden:
„Im Bereich des Rahmenrechtes versuchten die ArbeitgeberInnen einen bereits erzielten Kompromiss bei den Verfallfristen durch ein qualitativ unzureichendes Angebot für die weitere Behandlung der
übrigen Forderungen in Arbeitsgruppen in der Gesamtqualität zu verschlechtern. Unsere Forderung nach 1.300 Euro Mindestgehalt wurde dahingehend beantwortet, dass die ArbeitgeberInnen nur dann
bereit sind diese Forderung zu erfüllen, wenn andere Einkommensgruppen im Handel einen qualitativ schlechten Gehaltsabschluss akzeptieren, der bei hohen Überzahlungen unter der Inflationsrate
liegt. Dieses Ansinnen ist für uns völlig inakzeptabel, wir sind nicht bereit, dass wir die Einführung von 1.300 Euro Mindestgehalt durch unsaubere Gegengeschäfte finanzieren. Letzten Endes haben
uns die ArbeitgeberInnen insgesamt ein Gehaltsangebot vorgelegt, welches weit von unseren Vorstellungen eines fairen und gerechten Gehaltsabschlusses entfernt ist“, so der Tiroler ÖGB Vorsitzende
zum Stand der Verhandlungen abschließend.


