Die Jugend des ÖGB Tirol fordert anlässlich des Tages der Lehre einen fairen Umgang in Bezug auf Rechte, nicht nur auf Pflichten der Auszubildenden. „Unsere zentralen Forderungen sind Verkürzung der Probezeit, Einhaltung der Gesetze bei Überstunden, ein eigenständig agierendes Lehrlingsinspektorat, eine zukunftsweisende Ausbildung, mehr Lehrstellen in attraktiven Branchen und einen faire Behandlung der Tiroler Lehrlinge durch politische AmtsträgerInnen“, erklärt der Tiroler ÖGB Landesjugendsekretär Philip Wohlgemuth.
Verkürzung der Probezeit
Bezüglich Probezeit wird eine Verkürzung dieser von drei auf einen Monat gefordert. In früheren Jahren betrug die Dauer der Probezeit zwei Monate, wurde aber in der schwarz-blauen Regierung auf
drei Monate verlängert. Grund für diese Forderung sind die Lehrvertragsauflösungen in der Probezeit. Im Jahr 2009 wurden 564 Lehrverträge in der – für den ÖGB zu lang empfundenen – dreimonatigen
Probezeit gelöst. Ein Großteil dieser Zahl fällt auf den Bereich Tourismus. „Ein Schelm wer hier denkt, junge Menschen würden nur als billige Arbeitskräfte vorübergehend benutzt werden“, so
der Tiroler ÖGB Landesjugendvorsitzende Manuel Unterkircher.
Eigenständig agierendes Lehrlingsinspektorat
Tirols JunggewerkschafterInnen fordern des Weiteren ein eigenständiges Jugend- und Lehrlingsinspektorat. „Diese Einrichtung darf jedoch nicht in Verbindung mit der Lehrlingsstelle der
Wirtschaftskammer stehen. Dies würde Kontrollen ad absurdum führen“, erklärt Wohlgemuth.
Einhaltung der Gesetze bei Überstunden
65 Prozent der Lehrlinge leisten regelmäßig Überstunden. „Teilweise arbeiten Lehrlinge bis zu gesetzeswidrigen 60 Stunden in der Woche. Das geht aus Gesprächen im Zuge der laufenden
Lehrlings-Infotage hervor. Aus diesem Grund wäre es sinnvoll, wenn es vermehrte Kontrollen zur Einhaltung aller Schutzbestimmungen gibt“, so Unterkircher.
Attraktivere Lehrstellen
„Die Gegenüberstellung der offenen Lehrstellen im Gegensatz zu den Suchenden wird verfälscht dargestellt. Von allen momentan freien Lehrstellen sind 61 Prozent im Tourismus angesiedelt. Hier
besteht jedoch verhältnismäßig die geringste Nachfrage. Deshalb braucht Tirol Ausbildungsplätze in attraktiven Branchen, oder eine erhebliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Tourismus.
Wenn hier nicht gegengesteuert wird, stehen wir 2016 vor einem Desaster in Punkto Lehrlings- und Facharbeitermangel. Sich bei diesem Thema auf geburtenschwache Jahrgänge herauszureden ist der
falsche Ansatz“, informiert der Tiroler ÖGB Landesjugendsekretär.
Bodenseer entwürdigt Tiroler Lehrlinge
„Im Leitartikel der letzten Ausgabe der Tiroler WKO-Zeitung beleidigt und verspottet WK-Chef Bodenseer junge und politisch engagierte Menschen und bezeichnet diese als „junge Taliban“. Scheinbar
hat die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalimus, Papier mit ihrer Aktion „Operation Praxistest“, in der gefordert wird, einen Teil der 3.000 Euro den Lehrlingen bei bestandenem
Praxistest zukommen zu lassen, einen empfindlichen Nerv der WK getroffen. Offensichtlich gönnen Bodenseer und seine WK-Apostel jungen Menschen keinen Lohn für deren Leistungen und verschanzen
sich hierbei auf ein weiteres Auseinanderdividieren von Lehrlingen und Unternehmen. Angesichts der Österreichweiten Förderungssumme für betrieblichen Lehrlingsausbildung von 265 Millionen Euro,
die jährlich in Unternehmenskassen fließen, eine unmoralische Aussage. Fairness ist keine Einbahnstrasse. Geht’s den Lehrlingen gut, dann geht’s der zukünftigen Wirtschaft gut“, appelliert
Wohlgemuth abschließend in Richtung Bodenseer.


