Durch die Wirtschaftskrise sind weltweit immer mehr Menschen von Armut betroffen. Auch viele TirolerInnen sind „working poor", also Menschen, die mit weniger als 951 Euro monatlich auskommen müssen. Otto Leist (gf. Tiroler ÖGB Vorsitzender), AK-Präsident Erwin Zangerl und Gottfried Kostenzer (Vorsitzender der Katholischen ArbeitnehmerInnen) fordern anlässlich des Welttages für menschenwürdige Arbeit am 7. Oktober, dass Arbeitsplätze auch für Frauen und Jugendliche, geschaffen werden, von denen die Menschen unter fairen Arbeitsbedingungen auch leben können. Via Karten-Verteilaktion in Tiroler Betrieben werden ArbeitnehmerInnen darauf aufmerksam gemacht.
Mit der Karten-Verteilaktion wollen ÖGB-, AK- und KAB-VertreterInnen das Thema „Arbeit“ in den Blickpunkt rücken. Nicht nur die Erwerbsarbeit, sondern auch die „unbezahlte“ Arbeit wie Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen, die meist von Frauen verrichtet wird sowie ehrenamtliche Tätigkeiten sollen explizit gewürdigt werden. Die Aktion basiert auf Anregung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und ist ein Teil der weltweit organisierten Aktivitäten. Der Welttag für menschenwürdige Arbeit wurde vom Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) bei seinem Gründungskongress 2006 in Wien ausgerufen und findet heuer zum dritten Mal statt.
Schlechte Arbeitsbedingungen, niedrige Lohnniveaus und mangelnde Arbeitsrechte in Entwicklungsländern würden von multinationalen Konzernen zur Profitmaximierung ausgenutzt. Dieses Phänomen ist
auch in Tirol schon erkennbar. Wenn die Arbeit in „entwickelten" Ländern zu teuer würde, verlagern sie Produktion und Dienstleistungen in Entwicklungsländer. „Dadurch kommt es zwangsläufig zu
einem Wettlauf nach unten. Dieser Prozess kann nur durch globale gewerkschaftliche Zusammenarbeit gestoppt werden. Menschenwürdige Arbeit im eigenen Land reicht nicht aus. Um Armut und Ausbeutung
auch in Tirol und Österreich zu verhindern, brauchen wir eine neue globale Wirtschaft, die sich auf soziale Gerechtigkeit stützt und menschenwürdige Arbeit für alle ermöglicht", sagt Leist.
Rund die Hälfte der weltweiten Beschäftigungsverhältnisse ist ungesichert. Auch in Österreich ist die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse und Leiharbeit in letzter Zeit erkennbar. „70 Prozent
der prekär Beschäftigten arbeiten weitgehend unbezahlt innerhalb der Familie oder ohne Beschäftigungsverhältnis und auf eigene Rechnung. Abgesicherte Arbeitsplätze werden in Tirol und Österreich
abgebaut, zu Gunsten von ungesicherten und beliebig verwendbarer Leiharbeit. Leiharbeit hat in Österreich um 40 Prozent zugenommen und wird immer mehr zum Normal- als zum Sonderfall der
Anstellung. Die soziale Absicherung der LeiharbeiterInnen ist keinesfalls mit regulären Arbeitsverhältnissen vergleichbar“, erklärt Erwin Zangerl.
„Die Aktion in Tirol wird so aussehen, dass wir Fabriken, Werkstätten, Büros und Handelsgeschäfte besuchen. Den ArbeitnehmerInnen überreichen wir Glückwünschkarten mit der Aufschrift „EINEN GUTEN
ARBEITSTAG“. Wir wollen damit zum Ausdruck bringen, dass die Menschen im Mittelpunkt der Arbeitwelt stehen müssen“, erklärt Gottfried Kostenzer abschließend.


