Do

30

Sep

2010

TirolerInnen beklagen den zu geringen Beitrag der Reichen zum Gesundheitssystem

Umfrage des ÖGB vor der TGKK in Innsbruck Umfrage des ÖGB vor der TGKK in Innsbruck

Im Zuge des ÖGB Jahresschwerpunktthemas FAIR TEILEN befragten gestern ÖGB MitarbeiterInnen und FunktionärInnen vor den Regionalstellen der Tiroler Gebietskrankenkasse Passanten zum Thema krank gegen gesund. „Sozialer Ausgleich ist die beste Medizin. Von 432 Befragten sind 74 Prozent der Meinung, dass Reiche zu wenig ihres Einkommens an die Krankenversicherung abliefern. Einkommen über 4.110 Euro im Monat sind nicht beitragspflichtig. Das ärgert auch TirolerInnen“, erklärt der gf. Tiroler ÖGB Vorsitzende Otto Leist.

Angst vor Arbeitsplatzverlust durch Krankenstand
Welchem Druck Tiroler ArbeitnehmerInnen ausgesetzt sind beweist die Tatsache, dass 42,8 Prozent aller Befragten Angst haben, durch Antritt des Krankenstandes ihren Arbeitsplatz zu verlieren. „Einen Krankenstand sucht sich niemand aus. Die Verunsicherung unter der Bevölkerung, den eigenen Arbeitplatz zu verlieren ist groß. ArbeitnehmerInnen können im Krankenstand gekündigt werden. ArbeitgeberInnen müssen jedoch aufgrund gesetzlicher Bestimmungen bei Kündigung im Krankenstand den Krankenstand bezahlen, soweit der Arbeitnehmer noch einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung hat“, informiert Leist.

Selbstbehalte zu hoch
Für Umverteilung von unten nach oben sorgen auch die Selbstbehalte, die selbst im internationalen Vergleich mit 20% sehr hoch sind. Teilweise betragen Selbstbehalte bis zu 100 Prozent, zum Beispiel bei Brillen. 66,5 Prozent der Befragten beklagten dabei die zu hohen Belastungen. „Der ÖGB wird einer weiteren Verschlechterung wie neuen Selbstbehalten auf keinen Fall zustimmen, denn Gesundheit ist ein Grundrecht, das für alle da sein muss. Selbstbehalte sind nicht nur sozial ungerecht, sondern führen auch dazu, dass Menschen mit niedrigen Einkommen den Arztbesuch so lang wie möglich aufschieben. Manchmal so lang, bis es zu spät ist“, zeigt Leist auf.

 

Starkes Vertrauen in Gesundheitssystem
Das Gesundheitssystem geniest bei den Befragten vollstes Vertrauen. „Mehr als 74 Prozent der Befragten befinden unser Gesundheitssystem als sehr gut. Jetzt gilt es dies zu stärken. Da bieten sich mehrere sozial gerechte Lösungsvorschläge an. Man könnte Überstunden reduzieren, oder sie für ArbeitgeberInnen weniger attraktiv machen, also teurer. Die Einnahmen aus einer zu schaffenden Überstundenabgabe sollen in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und ins Gesundheitssystem fließen, also dorthin, wo zu viele Überstunden hohe Kosten verursachen. Ein weiterer Ansatzpunkt wäre Einnahmen aus Vermögen dem Gesundheitssystem zukommen zu lassen“, erklärt Leist.

 

Gesündere Arbeitsplätze als Heilmittel
Arbeit wirkt sich stark auf die Gesundheit aus. Vor allem Rückenbeschwerden und psychische Probleme gehen oft vom Arbeitsplatz aus, oder sie werden durch die Arbeit verstärkt. „Deshalb muss auch die Prävention am Arbeitsplatz ansetzen. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers muss viel weiter gehen als bisher. Nur so können teure chronische Krankheiten verhindert werden, oder es wird zumindest ermöglicht, damit zu arbeiten", sagt der gf. Tiroler ÖGB Vorsitzende. Der ÖGB fordert ein Präventions- und Gesundheitsförderungsgesetz, das die Unternehmen in die Pflicht nimmt.

 

Derzeit gibt es betriebliche Gesundheitsförderung nur in einigen Vorzeigebetrieben. "Daher wissen wir, dass die Präventionswirkung ausgezeichnet ist. Investitionen in diesem Bereich rechnen sich auch für die Arbeitgeber, aber trotzdem ist die Bereitschaft der Unternehmen kaum vorhanden", kritisierte Leist. Bis zu 50 Prozent der Krankenstände gehen auf Belastungen am Arbeitsplatz zurück.

Auswertung der Umfrage
ÖGB-Gesundheitsumfrage 2010 - Gesamt (1)
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