Do

02

Sep

2010

Durch Arbeitszeitverkürzung können in Tirol 5.500 neue Arbeitsplätze entstehen

Der gf. Tiroler ÖGB Vorsitzende Otto Leist fordert angesichts des weiterhin angespannten Tiroler Arbeitsmarktes eine Umverteilung der Arbeitszeit und damit einhergehende Arbeitszeitverkürzung: „Die Zahlen sprechen für sich. Inklusive SchulungsteilnehmerInnen sind 15.329 TirolerInnen arbeitslos. Angesichts der Tatsache, dass ÖsterreicherInnen mit 42,9 Stunden pro Woche Europaweit an der Spitze liegen, muss Arbeitszeitverkürzung möglich sein. Alleine in Tirol könnten bei Verzicht auf Überstunden 5.500 neue Arbeitsplätze entstehen“, erklärt Leist.

Im EU-Durchschnitt aller 27 EU-Staaten werden 41 Stunden wöchentlich gearbeitet. ÖsterreicherInnen leisteten alleine im Jahr 2008 unfassbare 355.000.000 Überstunden. „Diese Überstunden fair aufzuteilen würden umgerechnet 60.000 neue Arbeitsplätze bedeuten, für Tirol mehr als 5.500. Auch am Arbeitsmarkt gilt: Es ist genug Arbeit da, man muss sie nur fair teilen!“, sagt der gf. Tiroler ÖGB Vorsitzende.

 

Leist kritisiert auch die unfaire Ausbezahlung der Überstunden: „27 Prozent der geleisteten Übersunden werden gar nicht oder nicht korrekt bezahlt. „Fair teilen“ heißt es für den ÖGB und Gewerkschaften daher auch auf dem Arbeitsmarkt. Wenn man die Arbeitslosenzahl und die Anzahl der geleisteten Überstunden auf die eine Seite der Waagschale legt, und auf die andere Seite die immer wieder kehrenden Forderungen der ArbeitgeberInnen nach noch mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten, dann ist von fair teilen nicht viel zu sehen“, so Leist.

 

„Die immer wieder kehrenden Forderungen nach noch flexibleren Arbeitzeiten oder nach noch längeren täglichen und wöchentlichen Höchstarbeitszeiten sind jenseitig. Man kann den Menschen, die schon jetzt regelmäßig Überstunden leisten, nicht noch mehr aufbürden und ihnen dafür womöglich noch die Zuschläge wegnehmen. Solche Forderungen sind auch den vielen Arbeitslosen gegenüber ein ganz schlechtes Signal“, sagt Leist in Richtung der WirtschaftsvertreterInnen. Die vorhandene Arbeit muss fair geteilt werden, das kommt den Beschäftigten aus gesundheitlicher Sicht zugute, und natürlich den arbeitslosen Menschen. Das bloße Streichen von Überstundenzuschlägen fällt für den ÖGB und die Gewerkschaften jedenfalls nicht unter den Begriff „Flexibilisierung“.

 

ÖGB und Gewerkschaften verlangen:
- wachstums- und beschäftigungsfördernde Wirtschaftspolitik durch Stärkung der Binnennachfrage, EU-weit
- Sozialmilliarde für Pflege-, Betreuungs- und Gesundheitsberufe
- mehr Arbeitsuchende in Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen
- bessere Nutzung der Qualifikationen von ZuwanderInnen für den heimischen Arbeitsmarkt
- Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf EU-Niveau
- Verkürzung der Arbeitszeit bei Sicherung des Lebensstandards
- weniger Überstunden, dafür Bezahlung der geleisteten Überstunden
- Recht auf Teilzeitarbeit und auf Rückkehr zur Vollzeit
- bessere Kontrollen der (Höchst-)Arbeitszeit

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