Mi

18

Aug

2010

Wirtschaft gesund sparen ist unmöglich!

15 PartnerInnen aus den verschiedensten Institutionen haben die überparteiliche Initiative „UMWELT + BAUEN“ ins Leben gerufen. Darin erklärtes Ziel ist, die Politik und die Öffentlichkeit von der unbedingten Notwendigkeit intelligenter, nachhaltiger Investitionen in gemeinsam erarbeitete Maßnahmen zum Wohle unserer Umwelt und Wirtschaft zu überzeugen - die PartnerInnen haben dazu insgesamt 4 Kernziele gemeinsam mit 50 ExpertInnen erarbeitet.

Die Ausgangslage für Investitionen in UMWELT und BAUEN ist derzeit denkbar schlecht: Die Sanierungsrate liegt nach wie vor bei nur rund 1%, das Erfolgsmodell des „Sanierungsschecks“ ist ausgelaufen, die Energiestrategie 2020 in Diskussion und die Nachhaltigkeit – die zukunfts-wirksame Vernetzung von Umwelt, Sozialem und Wirtschaft –  droht der Budgetsanierung geopfert zu werden. So können die von der Bundesregierung vereinbarten, sicherlich notwendigen Klimaziele (Kyoto-Ziele) nicht erreicht werden. Alleine deren Verfehlen kostet dem Steuerzahler bis 2012 laut WIFO mindestens 500 Millionen EURO. Zusätzlich führt die Aufhebung der Zweck-bindung der Wohnbauförderung zu Rückgängen im arbeitsplatzintensiven und konjunkturell wichtigen Bereich, dem Wohnbau. Die österreichische Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einem labilen Zustand, wodurch auch Beschäftigung und Ausbildung in Zukunft gefährdet sind.

Die Sozialpartner der Bauwirtschaft ziehen für intelligente Maßnahmen in den Bereich „UMWELT + BAUEN“ an einem Strang. v. l. n. r.: LM KR BM Anton Rieder, Abg. z. NR Josef Muchitsch, Mag. Franz Roland Jany und der Tiroler Landessekretär GBH Christian Haus Die Sozialpartner der Bauwirtschaft ziehen für intelligente Maßnahmen in den Bereich „UMWELT + BAUEN“ an einem Strang. v. l. n. r.: LM KR BM Anton Rieder, Abg. z. NR Josef Muchitsch, Mag. Franz Roland Jany und der Tiroler Landessekretär GBH Christian Haus

Wenn von der Politik – ausgehend von der Bundes- bis zur Gemeindeebene – hier keine Maßnahmen gesetzt werden, folgt auf die Klima-, Finanz- und Wirtschaftskrise auch noch eine Sozialkrise. Und dabei ist Sparen alleine sicherlich keine Lösung, sondern verhindert nur eine Wachstumssteigerung und erhöht die Arbeitslosigkeit. Die weltweiten Krisen zeigen deutlich, dass es ein zielstrebigeres und beherzteres Vorgehen auf allen Ebenen als in der Vergangenheit geben muss! Nur dann können die ökonomischen, ökologischen und sozialen Standards in Österreich gehalten und verbessert werden.

„Unsere Kinder haben eine lebenswerte Zukunft verdient, das sind wir ihnen schuldig!“
Dazu haben alle Partner, gemeinsam mit 50 Expertinnen aus dem Bereich „UMWELT + BAUEN“, ein Maßnahmepakt in Form von vier Kernzielen entwickelt. Diese sind:
• Steigerung der Sanierungsrate
• Neubauangebot an leistbaren Wohnungen erhöhen
• Umstieg auf erneuerbare Energieträger
• Bau von zukunftsweisenden öffentlichen Verkehrsverbindungen und Bildungseinrichtungen

 

Der Koordinator der Initiative „UMWELT + BAUEN“ Abg. z. NR Josef Muchitsch: „Jetzt ist es wichtig, die Politik von den notwendigen Ziele unserer Nachhaltigkeitsinitiative UMWELT + BAUEN zu überzeugen.“

„Wir profitieren noch heute von den Investitionen, die in der Vergangenheit getätigt worden sind! Um die Wirtschaft anzukurbeln, Arbeitsplätze zu sichern und unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft zu schaffen, müssen wir jetzt intelligent in UMWELT + BAUEN investieren“, sind sich alle Partner einig.

Auch die Tiroler Sozialpartner stehen voll hinter „UMWELT + BAUEN“. „Wir müssen österreichweit an einem Strang ziehen und gleiche Voraussetzungen für Investitionen in Umwelt- und Baumaßnahmen schaffen. Nur so können wir die Klimaziele erreichen und Arbeitsplätze sichern bzw. schaffen“, sind sich Landesinnungsmeister KR BM Anton Rieder und Christian Hauser, Gewerkschaft Bau-Holz, einig und begrüßen diese gemeinsame bundesweite Aktion. 


UMWELT + BAUEN: Die 4 Kernziele im Detail
Steigerung der Sanierungsrate
Speziell bei Ein- und Zweifamilienhäusern aus der Bauperiode 1945-1980 sowie bei öffentlichen und gewerblichen Gebäuden gibt es hohen Sanierungsbedarf. Um die von der Bundesregierung angestrebte Sanierungsrate von 3 % zu erreichen, bedarf es daher zusätzlicher Fördermittel im Ausmaß von jährlich 300 Mio. Euro für die thermische Sanierung. Der erfolgreiche Sanierungsscheck muss fortgesetzt und weiter ausgebaut werden. Damit würden ein Investitionsvolumen für die Gebäude- und Heizungssanierung von rd. 2 Mrd. Euro ausgelöst, Arbeitsplätze geschaffen und gesichert sowie mindestens 150.000 Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr bewirkt werden. Interessant daran ist, dass der Finanzminister durch die Investitionen doppelt so hohe Einnahmen aus Steuern (Umsatz- und Lohnsteuer) lukrieren könnte, als an Förderungen nachträglich ausgeschüttet werden. Darüber hinaus sind vernünftige Reformen in Bau-, Wohn- und Steuerrecht dringend notwendig. Wir müssen uns die Frage stellen, in welchem Zustand wir die Gebäude unseren Kindern übergeben.

 

Neubauangebot an leistbaren Wohnungen erhöhen
Auch die Absicherung des Wohnbauförderungssystems durch eine bedarfsgerechte Dotierung der Wohnbauförderungsbudgets der Länder stellt eines der angestrebten Ziele dar. Dafür sind als Mindestausmaß 2,8 Milliarden Euro wie im Jahr 2008 notwendig. Aus diesem Grund muss die Zweckbindung und Indexierung der Wohnbauförderungsmittel für Neubau und Sanierung wieder eingeführt werden. Unterstützung bekommt die Initiative von zahlreichen WirtschaftsexpertInnen, welche die Umsetzung effizienter Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur empfehlen. Der arbeitsplatzintensive Bereich des Wohnbaus mit rund 135.000 Beschäftigten ist dafür bestens geeignet. Als Beispiel dafür sei angeführt: Die Miete inkl. Betriebskosten für eine 70m²-Wohnung mit Wohnbauförderung beträgt EUR 458,-  ohne Förderung macht sie EUR 735,- aus. Die „Wirtschaftslokomotive“ Bau löst alleine im privaten Wohnbau Ausleihungen in Höhe von 95 Milliarden Euro aus. Das sind 66% aller privaten Kredite.

 

Umstieg auf erneuerbare Energieträger
Ein 34 %-Anteil an erneuerbaren Energieträgern am Bruttoendenergieverbrauch ist das Ziel der österreichischen Bundesregierung, Österreich hat sich mit dem Energie- und Klimaprojekt der EU (20-20-20-Ziele) auch dazu verpflichtet. 2005 wurde vom Umweltbundesamt ein Anteil von 24,4 % ausgewiesen, die aktuellste Studie 2008 weist einen Anteil von 28,8 % an erneuerbaren Energieträgern aus. Weitere Maßnahmen wie Investitionen in Forschung, Entwicklung und Ausbau der erneuerbaren Energie sind dazu notwendig. Eine Umstellung der derzeit ca. 600.000 alten Heizsysteme auf erneuerbare Energien muss ebenfalls forciert werden. Diese Investitionen würden große Umweltschutzeffekte für die Zukunft nach sich ziehen und zusätzlich dazu beitragen, Österreich als Innovationsvorreiter zu etablieren und Tausende Arbeitsplätze zu sichern. In diesem Bereich muss das Ziel die Kombination von baulichen und energietechnischen Sanierungsmaßnahmen sein. Denn: Für Österreich werden im Hinblick auf das Nichterreichen der Klimaziele der EU bis 2020 Zukäufe von Emissionszertifikaten alleine bis 2012 in Höhe von 531 Mio. Euro laut WIFO prognostiziert.

 

Bau von zukunftsweisenden öffentlichen Verkehrsverbindungen und Bildungseinrichtungen
Investitionen in nachhaltige Verkehrsinfrastruktur und notwendige zeitgemäße Bildungseinrichtungen sind das Fundament für eine Zukunft mit Perspektiven für unsere Jugend. Gerade beim größten CO2-Verursacher, dem Verkehr, gilt es, weiterhin in einen attraktiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zu investieren. Laut Klimaschutzbericht des Umweltbundesamtes ist die größte Steigerung bei den CO2-Emissionen im Verkehrsbereich zu verzeichnen (CO2-Äquivalente in Mio. von 14,0/1990 auf 22,6/2008 – ergibt eine Steigerung von 61,95 %). Außerdem sind Investitionen in unsere Bildungsstätten zur Erreichung eines modernen Standards - um vom europäischen Bildungsmittelfeld zur Spitze zu gelangen - sind unumgänglich. Je früher Investitionen in den Bau bzw. die Sanierung von Verkehrswegen und Bildungseinrichtungen getätigt werden, umso günstiger und nachhaltiger sind diese für die öffentliche Hand. So kann zum Beispiel bei gleich hohem Energieverbrauch eine Gütertonne auf der Schiene 300 km aber auf der Straße nur 100 km transportiert werden.


KR BM Anton Rieder, Landesinnungsmeister Tirol
Energieeffizientes Bauen und Sanieren schützt die Umwelt und spart Energiekosten – unsere Baumeister sind Experten in Planung und Ausführung. Es freut mich, daß sich Tirol zu einem Kompetenzführer in Sachen Energieeffizienz entwickelt: die Zusammenarbeit von Baufakultät, Zukunftsstiftung, Energie Tirol und Bauinnung ist neben der Kooperation Bauen + Umwelt ein Beweis für die erfolgreiche Weiterentwicklung des umweltgerechten und nachhaltigen Bauens in Tirol!


Mag. Franz Roland Jany, Gemeinschaft Dämmstoff Industrie
„Die thermische Sanierung ist nach den Erfahrungen von 2009 das sinnvollste wirtschaftspolitische Instrument, das der Politik in Zeiten des Sparens zur Verfügung steht, um Erlöse und Wohlstand zu schaffen. Sie verringert Energieverschendung und senkt CO2-Emissionen. Sie schafft mehr Wertschöpfung, mehr Jobs, mehr Versorgungssicherheit, mehr Kaufkraft und mehr Wohnkomfort für die Haushalte. 300 Millionen Euro pro Jahr für die thermische Sanierung bis 2020 werden zum Perpetuum Mobile, das sich selbst antreibt und multipliziert.“


Christian Hauser, Landessekretär Gewerkschaft Bau-Holz Tirol
Der Tiroler Landessekretär der Gewerkschaft Bau Holz, Christian Hauser spricht sich für den Ausbau der Wasserkraft im Raum Tirol aus. „Tirol ist aufgrund seiner geografischen Beschaffenheit prädestiniert für die Energiegewinnung aus Wasserkraft. Dabei sollte aber besonders darauf geachtet werden Großprojekt auf die Beine zu stellen, denn nur diese garantieren Arbeitsplätze“, erklärt Hauser.

 

Als eine der wichtigsten Konjunkturspritzen im Krisenjahr 2009 galt die Winterbauoffensive des Landes Tirol, welche auf eine Initiative der Gewerkschaft Bau Holz zurückzuführen ist. „Im vergangenen Jahr wurden dafür zwei Millionen Euro in die Hand genommen und haben somit den so wichtigen Wirtschaftszweig Bau nicht verhungern lassen. Wir haben bereits beim Land vorgesprochen und Pläne für die Fortsetzung der Winterbauoffensive und der Aufstockung auf drei Millionen Euro vorgelegt. Jetzt liegt es an LandespolitikerInnen ArbeitnehmerInnen und Firmen im Baubereich eine Chance zu geben die Krise zu überwinden und einen Beitrag zu umweltgerechten Bauen zu leisten“, so Hauser.

 

Auch den Brennerbasistunnel sieht der Tiroler Landessekretär der Gewerkschaft Bau Holz langfristig als umweltfreundliches Bauprojekt. „Es ist nicht nur aus beschäftigungstechnischen Gründen enorm wichtig den Tunnel zu bauen, sondern auch um den Güterverkehr endlich auf Schiene zu bringen und den TirolerInnen Luft zum Atmen zu verschaffen“, informiert Hauser abschließend.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

  • loading