Do
12
Aug
2010
TirolerInnen mit niedrigerem Einkommen haben einen viermal schlechteren Gesundheitszustand
Arme Kinder von heute sind die chronisch Kranken von morgen. Bei Neunjährigen aus armen Familien sind durchschnittlich fünf Zähne gefault. Je stärker die soziale Spaltung in einer Gesellschaft wird, desto stärker kann man den sozialen Status einer Person am Zustand der Zähne ablesen. Menschen mit maximal Pflichtschulabschluss haben sechsmal so oft einen schlechten Gesundheitszustand wie Menschen mit Matura und sind mehr als doppelt so oft chronisch krank. „Untersuchungen haben festgestellt, dass die wichtigsten Risikoverhaltensweisen wie Rauchen, Bewegungsmangel, Ernährung weniger Krankheiten verursachen als benachteiligende Lebensumstände wie Armut. Schon jetzt ist arm oft gleichbedeutend mit krank“, erklärt Otto Leist.
In Österreich sorgt ein gut ausgebautes Sozialversicherungssystem dafür, dass es nicht so weit wie in anderen Ländern kommt, wo sich die Menschen selbst die Zähne ziehen. Für Umverteilung von unten nach oben sorgen auch die Selbstbehalte, zum Beispiel Rezeptgebühren. „Der ÖGB wird Verschlechterungen wie neuen Selbstbehalten auf keinen Fall zustimmen, denn Gesundheit ist ein Grundrecht, das für alle da sein muss. Selbstbehalte sind nicht nur sozial ungerecht, sondern führen auch dazu, dass Menschen mit niedrigen Einkommen den Arztbesuch so lang wie möglich aufschieben. Manchmal so lang, bis es zu spät ist“, sagt der gf. Tiroler ÖGB Vorsitzende.
Mit folgenden Forderungen will der ÖGB Tirol die Verteilungsgerechtigkeit stärken:
Krankenversicherung für alle
Leistungen der Kassen ausweiten
Keine neuen Selbstbehalte
Beibehaltung der Pflichtversicherung
Vorrang für Prävention und Gesundheitsförderung
Gesündere Arbeitsplätze
Berufskrankheiten anerkennen
leicht zugängliches Beratungsangebot für gesundheitlich beeinträchtigte ArbeitnehmerInnen
Sicherung der Altersteilzeit


