Fr
07
Mai
2010
Wimmer: „Wir müssen Arbeit auf mehr Menschen aufteilen“
25.782 TirolerInnen sind arbeitslos. Den Bereich der Industrie hat es dabei besonders hart getroffen. Zahlreiche Tiroler Industriearbeitsplätze sind im Verlauf der Wirtschaftskrise verloren gegangen. Gleichzeitig liegt Österreich bei der Überstundenleistung im europäischen Spitzenfeld. „Diese Schieflage kann niemand wirklich wollen. Die vorhandene Arbeit muss auf mehr Menschen aufgeteilt werden“, fordert Rainer Wimmer, Bundesvorsitzender der PRO-GE.
Dem Tiroler Vorsitzenden der Produktionsgewerkschaft, Norbert Klotz, stößt das unsoziale und unflexible Agieren der Wirtschaftsseite bei den Gesprächen zur Arbeitszeitflexibilisierung sauer auf: „Die Forderungen der Arbeitgeberseite ist nicht zu akzeptieren. Anstatt Überstunden auszubezahlen sollen jedes Jahr rund 150 Stunden auf einem Zeitkonto eins zu eins „geparkt“ werden können. Diese Überstunden können ohne Zuschlag ins nächste Jahr übertragen werden. Die Zuschläge werden erst bei Ende des Arbeitsverhältnisses mit einem 25 Prozent Zuschlag ausbezahlt. Was das bedeutet werden Menschen in ihren Geldbeutel sehen. Ein herber Verlust beim Einkommen. Mehr arbeiten um weniger Lohn, heißt der Standpunkt der Arbeitgeberseite.“, klärt Klotz auf.
Rainer Wimmer beharrt indes auf eine Verkürzung der Normalarbeitszeit und der Verringerung der regelmäßigen Überstunden und verweist auf das „Solidaritätsprämien-Modell“. Das Solimodell, welches am voest-alpine-Standort in Linz seit 2005 zu tragen kommt, konnte bereits 50 neue Jobs schaffen.
„Rund 500 Beschäftigte haben auf freiwilliger Basis ihre Wochenarbeitszeit im Schichtbetrieb von 38,5 auf 34 Stunden reduziert. Im Gegenzug konnten an die 50 Arbeitskräfte beschäftigt werden. Für
die Beschäftigten wurde ein eigenes Schichtmodell geschaffen, das durch kürzere Arbeitszeiten weniger Nachtschichten für die Betroffenen vorsieht. Als Lohnausgleich gibt es zwei Jahre
lang eine Förderung vom Arbeitsmarktservice (AMS) bis maximal 50 Prozent des entfallenen Entgeltes. Außerdem übernimmt das AMS die Differenz der Dienstgeber- und Dienstnehmer-
Beiträge zur Sozialversicherung, da der Arbeitgeber verpflichtet ist, weiter die vollen Beiträge zur Sozialversicherung zu zahlen“, sagt Wimmer.
Nobert Klotz, der auch als Betriebsratsvorsitzender bei den Guss Komponenten (ehemals Röhrenwerke) tätig ist, glaub, dass sich der Verlust an Industriearbeitsplätzen in Tirol auch 2010 fortsetzen wird. „Als Impfstoff gegen die Konjunkturflaute und Arznei für mehr Beschäftigung können nur Maßnahmen getroffen werden, die mehr Arbeitsplätze schafft und auch die Inlandsnachfrage weiter stärkt. Die Alternative zu kürzeren Arbeitszeiten und zur Verteilung der bestehenden Arbeit ist eine deutliche und für alle kostspieligere Erhöhung der Arbeitslosenzahlen. Dies würde auch Einnahmenverluste der öffentlichen Hand durch ausbleibende Sozialabgaben und Steuereinnahmen nach sich ziehen und zu gesamtwirtschaftlichen Nachfrageausfällen führen“, warnt Norbert Klotz die Arbeitgeberseite.
Die Vorstellungen der Wirtschaft gehen in eine gänzlich andere Richtung: Und dies bedeutet nicht nur eine höhere Arbeitsbelastung und für die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter einen herben Rückschlag, sondern würde auch die angespannte Arbeitsmarktlage verschärfen: „Dafür stehen wir mit Sicherheit nicht zur Verfügung. In Anbetracht der weiterhin steigenden Arbeitslosigkeit muss das Ziel sein, mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen“, betont Wimmer abschließend.

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